Diskussionsschiene Samstag, 12. 4. 14

Die erste Diskussionsrunde am Samstag hatte SQA zum Thema.

Eine Buchstabenansammlung, die vielen seit einiger Zeit Kopfzerbrechen beschert –
den Lehrerinnen und Lehrern, denen die Sinnhaftigkeit nicht vermittelt wurde, den Schulleiterinnen und Schulleitern, die vor zusätzlichen Aufgaben stehen, für die sie ungenügend vorbereitet sind und der Schulaufsicht, die dem Bundesministerium Rede und Antwort stehen muss bzw. wie bei der Inklusion EU-Vorgaben umzusetzen hat.

Präambel

Arbeit an der Qualität bei Herstellungsprozessen oder Arbeitsabläufen ist schon lange bekannt und wird praktiziert. Auch in Institutionen wie z. B. Krankenhäusern und Non-Profit-Organisationen ist Qualitätsmanagement und Qualitätssicherung längst üblich. Als Nachzügler sind jetzt eben auch die Schulen dran – und diese Nachzüglerrolle ist beim Umsetzungsprozess deutlich spürbar: JedeR glaubt zu wissen, worum es geht, jedeR interpretiert den Arbeitsauftrag anders, es wird als zu absolvierende Pflichtübung betrachtet, es wird als einmaliges Tun aufgefasst …

SQA (Schul Qualität Allgemeinbildung)

wurde vom Bundesministerium österreichweit als Instrument für Qualitätssicherung und Schulentwicklung implementiert. Sie ist gesetzlich verankert und ab 2013 verpflichtend.
Einige Schulen, und zwar jene die schon einen langen Weg in Schulentwicklung, Organisationsentwicklung, Unterrichtsentwicklung etc. hinter sich hatten, haben als Pilotschulen schon vor der gesetzlichen Verpflichtung begonnen SQA umzusetzen.

Bewusst zu machende Facts sind:

SQA ist ein Prozess, der nie abgeschlossen ist
SQA ist in Phasen einzuteilen, die abzuarbeiten sind
SQA ist keine basisdemokratische Angelegenheit
SQA ist nicht Innovation
SQA löst keine strukturellen Probleme
SQA muss mit vorhandenen Ressourcen auskommen
SQA löst Dynamiken in einem LehrerInnenkollegium aus
SQA bewirkt Veränderungen, die nicht intendiert waren

und vieles andere mehr!

30 Teilnehmerinnen aus ganz Österreich des „atelier freinet 2014“ in Pressbaum haben dazu mit Veronika Rampetsreiter (SQA-Verantwortliche des Stadtschulrats Wien) diskutiert.

Wir als FreinetpädagogInnen sind für eine Schulentwicklung und eine Qualitätssicherung, in der partizipative Prozesse stattfinden und KollegInnen einer Schule oder eines Teams gemeinsam an einer Verbesserung von Didaktik und Methodik arbeiten – immer auf die Lernbedürfnisse und die Persönlichkeitsentwicklung der Kinder bezogen. Selbstbestimmtes Lernen, Einüben einer demokratischen Grundhaltung, Aufbauen von Sozialbeziehungen, und ein Sichzurechtfinden in der Welt stehen für uns dabei im Vordergrund. SQA in unserem Sinn kann nicht das Hinarbeiten auf die Verbesserung von Testergebnissen sein oder auf ein besseres Abschneiden in einem Schulranking.

Wir haben im Zusammenhang mit SQA – so wie es uns von der vorgesetzten Dienstbehörde bzw. vom Ministerium vermittelt wird – verschiedene Befürchtungen:

.) Wie so oft in den letzten Jahren, werden Worthülsen produziert, die wenig oder keinen Inhalt haben.
.) Wir wissen nicht, welche Intention des Dienstgebers hinter SQA steht.
.) Wir haben in den letzten Jahren schon so viele Aufträge (Schulprogramm, Leitbildentwicklung, Schulprofil, Schulportfolio, Überlegungen zu Individualisierung und Differenzierung u.v.a.m.) brav erfüllt, die mehr oder weniger ohne Resonanz blieben.
.) Es wurden uns Dinge abverlangt, die unseren Vorstellungen von Schule und Lernen und unseren Beobachtungen der kindlichen Entwicklung zuwider laufen – die Testerei, die Bildungsstandards …
.) Wir wollen uns nicht instrumentalisieren lassen für SQA als Selbstzweck
.) Wir sind nicht bereit, uns vorgaukeln zu lassen, dass wir mitentscheiden könnten, wo das einfach nicht stimmt.
.) Uns ist klar, dass zwischen dem hierarchischen System Schule und einem wirklich demokratischen Verständnis, das wir den Kindern vorleben wollen, ein krasser Gegensatz besteht.
.) Wenn wir verpflichtet werden, einen Prozess mitzugestalten, wie SQA das vorsieht, dann wollen wir nicht in stundenlangen Sitzungen Papier für die Schublade produzieren.

Wir erwarten uns folgende Grundvoraussetzungen:

professionelle Begleitung des Prozesses (geschulte Moderator_innen, genug Zeit, flexible Anforderungsmöglichkeit von Stunden, kurzfristige Seminarplanung)
fundierteAusbildung der Koordinator_innen
bessere Vorbereitung der Lehrer_innen durch den Dienstgeber (Vermittlung der gesetzlichen Grundlagen, Verankerung im neuen Dienstrecht, Stärkung der Eigeninitiative, Teamgestaltung)
professionelle Unterstützung für Leiterinnen (bezahlte Supervision, Hilfe bei der Vorbereitung von Seminaren, finanzielle Unterstützung für die Dokumentation)
SQA ist kein Wettbewerb und darf nicht missbräuchlich für Vergleiche oder Konkurrenz von Standorten verwendet werden
Es muss klar sein (siehe oben professionelle Begleitung!), welche Themen durch SQA sinnvoll bearbeitet werden können und welche Probleme an anderer Stelle (Schulbehörde, MA56, Dienstrecht, Jahresnorm …) zu erörtern bzw. zu entscheiden sind.

Wir begreifen SQA als Chance, uns selbst und den Unterricht weiter zu entwickeln, für die Kinder eine geeignetere Lernumgebung zu schaffen und werden uns in unseren Schulen dafür einsetzen, dass die Grundvoraussetzungen erfüllt werden.

Inge
Wanda
Gabi
Eva
Dagmar

 

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